Es gibt Pendler – und es gibt Pendler: Wer sich also mit Online-Umfragen zum Thema beschäftigt, sollte erstmal prüfen, ob worauf dieses begründet sind. So unterscheidet das Statistische Bundesamt zwischen Pendlern, die zum Arbeitsplatz zwischen 10 und 25 Kilometern zurückzulegen hatten – das war 2008 eine Mehrheit von 28,1%. Mehr als 25 Kilometer entfernt lag die Arbeitsstätte im Jahr 2008 bei 16,2% der Berufstätigen, 3,4% wohnten und arbeiteten sogar auf dem gleichen Grundstück.
Immer mehr Deutsche pendeln immer mehr?
Ich persönlich würde ja eine Distanz zwischen 10 und 25 Kilometern als normalen Arbeitsweg bezeichnen, ja sogar über 25 Kilometer finde ich eigentlich noch normal. Für das statische Bundesamt waren diese Ergebnisse, im Vergleich zu niedrigeren Zahlen 1996, allerdings ein Beweis für die zunehmende berufliche Flexibilität der Deutschen.
So schrieb Andreas Grau in seiner Analyse: “Immer mehr Erwerbstätige nehmen längere Strecken für den Weg zur Arbeit auf sich und stellen damit ihre zunehmende berufliche Mobilität unter Beweis.”
Im Ausland wird länger gefahren!
Noch ein bisschen absurder werden diese Zahlen, wenn man weiterliest: “Mit der Verlängerung der zurückgelegten Distanz ist zugleich auch die Fahrtzeit gestiegen. Während 1996 noch 72,8% der Erwerbstätigen weniger als 30 Minuten für den Weg zur Arbeit benötigten, waren es 2008 nur noch 68,2%.”
Die armen Deutschen! Heißt im Klartext: Immer noch 70 % sind in weniger als 30 Minuten am Arbeitsplatz. Zum Vergleich: Wenn ich in Berlin von A nach B will, brauche ich auch meist 20-30 Minuten. Das ist normal! In China und Japan benötigt, wenn man dieser Umfrage von Regus glauben schenken darf, ein knappes Drittel mehr als 90 Minuten zur Arbeit. Da würde ich eher von Pendeln sprechen.
Pendeln Sie gerne?
Nichtsdestotrotz hat sich auch monster.de des Themas Pendeln angenommen – in einer ihrer berümten, regelmäßig durchgeführen Online-Umfragen: Demnach lehnen 39 Prozent der Befragten Pendeln auf Dauer ab, 35 Prozent der Umfrageteilnehmer macht das Pendeln nichts aus. Und 26 Prozent der befragten Deutschen empfinden lange Fahrtwege als anstrengend, haben aber keine andere Option.
Abgesehen davon, dass die 5.078 Teilnehmer in Deutschland, Österreich und der Schweiz dazu online und anonym befragt wurden, was Mehrfach-Klicks nicht ausschließt: Differenziert wurde bei der Fragestellung nicht nach der Dauer der Fahrzeit – und daher sieht das Ergebnis dann im Detail so aus:
Frage: Können Sie sich vorstellen, zur Arbeit zu pendeln?
Ich pendle bereits und es macht mir nichts aus: 35% (1.528)
Nein, das ist mir auf Dauer zu stressig: 39% (1.709)
Das Pendeln ist anstrengend, aber ich muss es tun: 26% (1.159)
Alpenländer Flexibler?
Der Vergleich mit Österreich und der Schweiz zeigt, dass die Schweizer möglicherweise flexibler sind , wenn es um ihren Arbeitsweg geht: Hier geben 47 Prozent der online Befragten an, dass sie pendeln und damit zufrieden seien.
Als zu stressig bewerten in der Schweiz nur 28 Prozent der Umfrageteilnehmer das tägliche Pendeln zur Arbeit, 25 Prozent sind zum täglichen Pendeln gezwungen. Die befragten Österreicher bevorzugen einen kurzen Weg zur Arbeitsstelle: 41 Prozent der Befragten lehnen es ab, dauerhaft zu pendeln. 32 Prozent der österreichischen Teilnehmer pendeln und sind damit zufrieden. 27 Prozent der befragten Österreicher empfinden längere Wege zur Arbeit zwar als anstrengend, müssen sie aber in Kauf nehmen.
Das Karriereportal Monster führt in regelmäßigen Abständen Befragungen auf lokalen und globalen Webseiten des Unternehmens zu Themen rund um Arbeitsplatz und Karriereplanung durch. Diese Befragungen sind nicht repräsentativ, sondern spiegeln die Meinung der Nutzer von Monster wider.
Neue Arbeitsformen?
Übrigens: Statt nach dem ewig alten Pendlerthema zu fragen, wäre es doch etwas wirklich Neues, umfassend danach zu fragen, wieviele Pendler bereits auf dem Weg zur Arbeit mit welchen mobilen Geräten z.B. E-Mails abrufen oder twittern.
Die Frage nach dem mobilen Arbeitsplatz wäre der zunehmenden Flexibilisierung unserer Arbeitswelt deutlich angemessener – aber vermutlich einfach zu kompliziert für eine einfache Online-Umfrage.