Liest man die Stellenanzeigen in Zeitungen oder Online-Stellenbörsen fällt eines auf: Bei der Mehrzahl fehlt der persönliche Ansprechpartner, die Durchwahlnummer oder die persönliche E-Mail-Adresse der Kontaktperson.
Dies belegt auch eine umfangreiche Untersuchung, die mein Team 2011 durchführte. In über 55% der Stellenanzeigen, die von Januar bis April in der F.A.Z. und SZ geschaltet wurden, fehlte der persönliche Ansprechpartner.
Kontaktaufnahme – so einfach wie möglich?
Rechnet man die Anzeigen dazu, in denen die beauftragte Werbeagentur diese sinnvolle Angabe einfach ergänzt hat, verdüstert sich das Bild weiter. Und dies obwohl fast von jedem Unternehmen behauptet wird, dass der Mensch im Mittelpunkt stünde, offen, fair und persönlich kommuniziert würde oder sich die Firma durch einen direkten Dialog auszeichne.
Wie passt das alles zusammen? Wäre es nicht irgendwie clever, den Bewerbern die Kontaktaufnahme so einfach wie nur irgend möglich zu machen? Was sollen die Bewerber machen, wenn in der Stellenausschreibung kein Ansprechpartner angegeben ist? Gute Frage!
Lassen Sie uns miteinander reden – oder besser nicht?
Die meisten Internetforen und Bewerberratgeber sind sich einig und empfehlen den Kandidaten im Unternehmen anzurufen und nach dem zuständigen Gesprächspartner zu fragen. Für das Bewerbungsanschreiben einfach den Geschäftsführer oder Vorstand aus dem Impressum der Firmenwebsite abzuschreiben, sei für eine erfolgreiche Bewerbung genauso wenig zielführend, wie sein Schreiben mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ einzuleiten.
„Lassen Sie uns miteinander reden“, steht in der Anzeige – also ran ans Telefon! In Ermangelung der Durchwahlnummer wird die Zentrale angerufen. „Tut mir leid“, sagt die Dame an der Telefonzentrale, „in der Personalabteilung meldet sich gerade niemand – bitte versuchen Sie es später noch einmal – nein, die direkte Durchwahl darf ich nicht herausgeben.“
Verschlossene Personaler sind keine Einzelfälle!
Nicht wenige Bewerber erleben übrigens die Telefonate mit der Personalabteilung eines potenziellen neuen Arbeitgebers als reserviert verschlossen und nicht besonders dialogorientiert geschweige denn wertschätzend. „Warum rufen Sie an? – Es steht doch alles, was Sie wissen müssen in der Stellenausschreibung.“
Wer jetzt glaubt, ein solcher Umgang mit Bewerbern käme nicht oder allenfalls in Einzelfällen vor irrt sich. Unsere Agentur „Quergeist“ beispielswiese führt im Auftrag von Unternehmen Tests durch, sogenannte Mystery Applications, um so Schwachstellen und somit Verbesserungspotenziale im Bewerbungsprozess mit Hilfe der Testbewerber aufzudecken.
Das Einzige, was stört ist der Bewerber?
Was die Tester, die sich als Bewerber ausgeben, täglich im Kontakt mit Personalverantwortlichen erleben, lässt uns gelegentlich die Haare zu Berge stehen. Das Einzige, was stört, ist der Bewerber? –Trotz des vermeintlichem Fachkräftemangels erleben das viele Bewerber genau so.
Welche Erfahrungen haben Sie als Bewerber oder Personalentscheider mit der Kommunikations- und der Dialogbereitschaft der Personalabteilungen gemacht? Diskutieren Sie mit!
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