Berufebilder by Simone Janson

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Job- & Personalsuche » Bewerbung & Recruiting » Personalmarketing – wenn Unternehmen gezielt Frauen ansprechen (wollen):
Salatschüsseln, Schuhe & wahre Emanzipation auf der Toilette

Frauen, die Karriere machen – das ist seit der Diskussion um die Frauenquote wohl irgendwie “in”. Dachten sich diverse Unternehmen und werben nun gezielt um Frauen. Die Art, wie sie das tun, zeigt allerdings eines: Die alten Klischees und damit die Barrieren in den Köpfen haben noch längst nicht ausgedient. Wie es um die Emanzipation dann wirklich bestellt ist, zeigt sich am Ende auf der Toilette!

Dank Anke Domscheit-Berg, die die Fotos getwittert hat, bin ich auf diese beiden Personalmarketing-Aktionen von Bosch und Accenture aufmerksam geworden. Die beiden Unternehmen wollen gezielt gerade auch für weibliche Bewerber attraktiv erscheinen – und nicht nur mit den Schuh-Absätzen sondern auch so:

 

Von der Grundidee ist das ja sicherlich gut gemeint, Frauen anzusprechen. Liebe Unternehmen, als Frauen danken wir Euch schonmal dafür! Schade nur, dass die nicht mit ihren Fachkompetenzen geworben werden, sondern mit dämlichen weiblichen Klischees.

Man muss den Unternehmen leider unterstellen, dass sie nur vordergründig um Frauen werben, weil das so schön politisch korrekt aussieht, eben gut fürs Employer Branding ist.

Wahre Emanzipation zeigt sich auf der Toilette!

Die Wirklichkeit dahinter schaut dann wahrscheinlich so aus wie in der Führungsetage, im 49. Stock der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main:

Die Herrentoilette offeriert einen grandiosen Blick über Frankfurt, für den die Commerzbank berühmt-berüchtigt ist. Die Damentoilette hingen bietet den gleichen Ausblick nicht, auch wenn das baulich möglich gewesen wäre (und bevor jemand fragt: ja ich war selbst da… aber das ist eine andere Geschichte…)

Frauen: Immer noch bei Schuhen & Salatschüsseln?

Sicherlich ist gerade auch der Spruch von Bosch, die Frauen suchen, die höher als 7 cm hinaus wollen, ironisch-witzig, das will ich gar nicht bestreiten. Nur die Denke dahinter gefällt mir nicht: Offenbar sollen hier die Frauen da abgeholt werden, wo man(n) sie vermutet – nämlich bei Salatschüsseln und Schuhen.

Ich übertreibe übrigens bewußt: Natürlich ist das zweite Objekt nur eine Glasschüssel, an der stilvoll ein rosa Kärtchen prangt. Die Assoziation mit einer Salatschüssel, auch aufgrund den grünen Inhalts, könnte aber nicht unglücklicher sein und erinnert irgendwie an “Küche” und “Design” aber nicht an Karriere.

2 Fragen

Die Frage, die sich mir dann stellt: Was traut man den Frauen dann zu?

Und meine Frage an Euch: Wie seht ihr das?

Update: Spiegel Online titelt übrigens am 06. Juni 2011 passend zu meiner Überschrift: “Karrieren werden beim Pinkeln gemacht”. Na dann wissen wir ja jetzt bescheid.

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin (u.a.für ZEIT-ONLINE, Süddeutsche oder Financial Times) und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel.

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3 Kommentare

  1. Der Ausblick von der Herrentoilette der Commerzbank in Frankfurt – in der Tat gigantisch. Dass der von der Damentoilette – den ich übrigens nicht persönlich kenne – anders ist, kann ich beim besten Willen nicht als Diskriminierung oder Frauenfeindlichkeit erkennen, das greift zu kurz.
    Opferrolle einmal anders.
    Spannender ist doch die Frage nach dem eigentlichen Hintergrund dieses Unterschiedes. Dann kann frau sich 1. amüsieren und 2. auch was dabei lernen.
    Wenn die Herren vor dem Urinal stehen, pinkelten sie auf ihren ehemaligen Konkurrenten, die Dresdner Bank runter – hat sich ja nun erledigt.
    Und darauf waren sie so stolz, dass sie es weiblichen Besuchern vorgeführt haben. So funktioniert das! Ist das nicht nett?
    Aus diesem Blickwinkel hab ich auch kein Problem mit High Heels und Salatschüssel. Das ist 1. bei vielen Frauen Teil ihrer Identität und Lebensfreude, das gönnen wir uns neben unserer inzwischen unbestritten vorhanden Kompetenz locker nebenbei und 2. ist da mit der Quote genauso: Nicht: “Kannst Du was oder bist Du Quote” oder sondern sowohl als auch.

    Dr. Cornelia Topf

  2. Simone Janson

    Liebe Frau Topf,
    natürlich dient die Zuspitzung auf Salatschüsseln, Schuhe und die Toilette auch dem Marketing des Beitrags. Aber Sie haben recht: Man kann sich natürlich auch entspannt zurücklehnen und die Sache, auch mit der Toilette, süffisant-souverän betrachten. Danke für diesen Hinweis!

  3. Also, für mich sind High Heels kein Teil meiner Lebensfreude… Ich muss Frau Janson zustimmen – aus diesen Sujets spricht das Klischee. Wie oft wird denn z.B. in pflegenden Berufen für Männer geworben – mit einem Porsche oder einer leichtbekleideten Frau? Gar nicht? Ja, weil’s daneben wäre. Und genau das sind High Heels und pinke Hängerchen leider auch…

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