Berufebilder by Simone Janson

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Bescheidenheit ist eine Zier

Vor einigen Jahren noch lernten Bewerber, möglichst selbstbewusst aufzutreten, um so potentielle Arbeitgeber zu beeindrucken uns sich Respekt zu verschaffen. “Klotzen statt Kleckern” lautete die Devise. Heute sieht das anders aus: Bescheidenheit ist in Zeiten der Krise gefragt.

“Ich habe denen ziemlich energisch geschrieben, was Sie aus meiner Sicht verbessern könnten und so die Stelle bekommen” berichtet ein Bewerber in einem Ratgeber sein Erfolgsrezept. Klingt ja auch erstma logisch: Der Bewerber zeigt auf diese Weise Fachverstand und überzeugt mit entsprechenden Auftreten. Und das Unternehmen weiß gleich, dass es einen engagierten Mitarbeiter bekommt.

Wer wird schon gerne kritisiert?

Doch die Sache hat einen Schönheitsfehler: Mal davon abgesehen, dass in Zeiten der Krise und Stellenabbau Bescheidenheit bei Bewerbern gerne gesehen wird, missachten Bewerber, die so auftreten, noch etwas ganz anderes: Kein potentieller Chef wird gerne kritisiert.

Wer in seine Bewerbung beispielsweise schreibt: “Die Rechtschreibfehler auf Ihrer Site zeigen Flüchtigkeit, da kann nur ich Ihnen helfen” wird vermutlich in der Regel sagt gleich mehrere negative Dinge über den Bewerber aus:

  1. Er ist rechthaberisch, überschätz sich selbst und macht damit per se einen unsympatischen Eindruck – niemand, mit dem man gerne zusammenarbeitet.
  2. Der Bewerber überschätzt auch seinen Marktwert: Rechtschreibfehler zu korrigieren (oder eine vergleichbare banale Tätigkeit) ist kein Spezialwissen, das nur er beherrscht (anders mag das vielleicht im technischen Bereich aussehen). Solche Tätigkeiten werden in Unternehmen gerne mit billigen Arbeitskräften oder gar kostenlosten Praktikanten ersetzt.
  3. Der Bewerber zeigt, dass er von den Betriebsabläufen keine Ahnung hat. Für Flüchtigkeit etwa ist häufig eben nicht Unwissen verantwortlich, dass der Bewerber zu ergänzen gedenkt – sondern der pure Zeitmangel. Wer mit einer solchen Unkenntnis der realen Gegebenheiten in einem Unternehmen glänzt, hat schon verloren.

Fazit: Wer zu “selbstbewusst” auftritt, verspielt schnell alle Optionen. Besser ist es in jedem Fall moderater vorzugehen und z.B. herauszustellen, warum man unbedingt in dem Unternehmen arbeiten möchte und was einem positiv aufgefallen ist.

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin (u.a.für ZEIT-ONLINE, Süddeutsche oder Financial Times) und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel.

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Website: http://www.simone-janson.de

4 Kommentare

  1. Völlig unsinniger Artikel, aus einem konstruierten Fallbeispiel wird hier geschlossen, dass es "in jedem Fall" besser sei, "moderater vorzugehen". Nun, moderator als der fiktive Mensch in dem Beispiel sollte man sicher vorgehen, aber diese Aussage ist dann so spezifisch, dass sie schon wieder belanglos ist. Außerdem lassen sich beliebig fiktive Gegenbeispiele von ebenso sonderbaren Persönlichkeiten (unkommunikative Kellerkinder, schüchterne Frauen) konstruieren, aus denen man mit dem Argumentationsschema der Autorin leicht das Gegenteil schließen könnte. Vielleicht gibt das dann ja den nächsten Artikel?

    • Simone Janson

      Lieber “Gast”,
      schade, dass Sie uns Ihren Namen nicht verraten! Just dieser Beitrag basiert aber auf einer wahren Begebenheit, die mir auch so passiert ist.
      Gruß Simone Janson

  2. dieses beispiel finde ich sehr wichtig, da viele bewerber mit überfüttertem selbstbewusstsein am start sind, die genau in diese falle tappen. darüber hinaus sind die negativformulierungen (zb: “keine kritik” oder “keine fehler korrigieren”) mit ein wenig geistigem aufwand allgemein anwendbar und bieten durchaus eine moderate grundlage an bewerbungstipps. reflektieren, abwägen und wachsam zuhören sind keine tricks, sondern kostbarer ratschlag. ich freue mich aufs kommende vorstellungsgespräch und aufs erörtern gemeinsamer ziele und schwerpunkte. falls mir ein/e chef/in begegnen sollte, der/die in den bewerbern nur “das sonderbare” sucht und das leben in der krise nurnoch aus der perspektive eines schreibenden kellerkindes sieht, dann will ich da nicht arbeiten! :) liebe grüsse und freundlichen dank

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