Berufebilder by Simone Janson

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Job- & Personalsuche » Arbeits- & Sozialrecht » Serie – Studie zur Aussagekraft von Arbeitszeugnissen:
Die Top-5-Kritikpunkte

In meinem ersten Artikel habe ich die aktuelle Diskussion rund um das Thema Arbeitszeugnis dargestellt: Soll es abgeschafft werden, weil es einfach zu aufwändig ist? Oder weiter beibehalten werden? Nun folgt ein ausführlicherer Überblick über die Argumentation – zunächst die Pro-Seite:


Frank_AdensamZur Lösung der Frage “Arbeitszeugnis oder nicht?” schlägt Frank Adensam vor, sich auf neutrale Tätigkeitsbeschreibungen ohne jede fachliche bzw. persönliche Bewertung zu beschränken. Er betont zudem die guten Erfahrungen im Ausland mit Empfehlungsschreiben (Letter of Reference), bei denen Vorgesetzte mit ihrem Namen und einer kurzen persönlichen Würdigung für einen ehemaligen Mitarbeiter bürgen.

Dies sind die „Top Five“ der Kritikpunkte am Arbeitszeugnis:

  1. Die Erstellung von Arbeitszeugnissen und die Klärung von diesbezüglichen Streitigkeiten ist mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden. Dies führt zu einer kostenintensiven Verschwendung von Arbeitszeit. Denn die Zahl der Arbeitnehmer, die jährlich in Deutschland ihren Arbeitgeber verlassen und Anspruch auf ein Zeugnis haben, geht in die Millionen. Zudem werden jährlich ca. 30.000 Prozesse um vermeintlich unwahre oder falsche Arbeitszeugnisse vor den deutschen Arbeitsgerichten geführt.
  2. Die Zeugnis-Erstellung ist in vielen größeren Unternehmen über die EDV automatisiert, so dass unpersönliche Einheitszeugnisse mit minimaler Aussagekraft entstehen. Sie sind weder eine angemessene Würdigung der erbrachten Leistungen, noch leisten sie bei potentiellen neuen Arbeit- gebern einen sinnvollen Beitrag zur Bewerberauswahl.
  3. Viele kleinere Unternehmen behandeln das Thema Arbeitszeugnis sehr nachlässig, weil sie selbst keinerlei Nutzen aus diesem als lästig empfundenen Verwaltungsakt ziehen. Dennoch sind sie zur Zeugniserstellung verpflichtet. Das Ergebnis sind nicht selten fehlerhafte oder knappe Zeugnisse, die beim Leser den Eindruck von Geringschätzung erwecken.
  4. Viele Personen, die mit der Zeugniserstellung betraut sind, kennen den Zeugnis-Code nicht hinreichend. Ungeschickte oder missverständliche Aussagen können als Kritik an den Leistungen des Arbeitnehmers missverstanden werden.
  5. Viele Arbeitszeugnisse sind übertriebene und unverdiente Lobeshymnen, vorgeschrieben vom Arbeitnehmer selbst oder ausgestellt von konfliktscheuen Arbeitgebern, die einem etwaigen Rechtsstreit mit dem Arbeitnehmer von vorn herein aus dem Weg gehen will.
Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin (u.a.für ZEIT-ONLINE, Süddeutsche oder Financial Times) und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel.

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