
Wie groß in Deutschland die Angst ist, dass potentielle Arbeitgeber im Internet delikate Informationen über einen finden und einen erst gar nicht einstellen, zeigen u.a. Buchtitel wie “Karrierefalle Internet” oder die Tatsache, das Datenschützer in diesem Zusammenhang vor Google Street View warnen (dass das etwas an den Haaren herbeigezogen ist, habe ich hier ausführlich beschrieben).
Politiker und Datenschützer rufen bereits lautstark nach dem digitalen Radiergummi. Sogar einen eigenen Fachbegriff hat man dazu gefunden: Reputationsmanagement! Sprache ist da ja immer sehr verräterisch…
Bitte keine Hysterie!
Nun will ich nicht bestreiten, dass es da durchaus eine Gefahr gibt, dass Arbeitgeber einen Aufgrund von Informationen aussortieren. Ich meine jedoch, dass man deshalb nicht in Hysterie verfallen sollte. Wie schnell das geht, zeigt dieses Beispiel aus den USA:
Dort warnte das State Department die Studenten der Columbia University davor, sich im Internet öffentlich über Wikileaks zu äußern. Grund: Eine Äußerung zu diesem Thema könnte die Karriere derjenigen gefährden, die bei staatlichen Stellen anheuern wollen.
Den Spieß umdrehen
Kommentar eines Deutschen Personalers zu diesem Text: “Traurig ist, dass es Arbeitgeber gibt, die wirklich so drauf sind!” Das zeigt schon in die richtige Richtung: Man kann und sollte als Jobsuchender den Spieß auch ruhig mal umdrehen – auch wenn das in Deutschland nach wie vor keine populäre Haltung zu sein scheint.
Etwa mit der Frage: Was sagt das über die Unternehmenskultur aus, wenn die Mitarbeiter schon im Vorfeld bespitzelt werden? Und: Will ich in so einem Unternehmen wirklich arbeiten? Will ich nicht einen Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitern etwas Vertrauen schenkt?
Dass immer mehr Arbeitnehmer genau diese Frage stellen, hat die Deutsch Bahn übrigens schon erkannt – und sich selbst dazu verpflichtet, nur noch jene Berwerbungsunterlagen auszuwerten, die Bewerber freiwillig zur Verfügung stellen.
Steh zu dir!
Ein Personaler, mit dem ich kürzlich über das Thema sprach, gab an, er werde auf keinen Fall einen Bewerber nicht einstellen, weil er im Internet fragwürdige Dinge über ihn fände. Allerdings könnte es sein, dass er den Bewerber im Vorstellungsgespräch darauf anspricht. Z.B. würde er gerne wissen, ob dem Bewerber klar ist, wie das in der Öffentlichkeit wirkt.
Ergo ist es wichtig, in so einem Fall nicht mit dummen Ausreden zu kommen, sondern im Vorstellungsgespräch geschickt zu kontern. Oder ganz zu sich zu stehen. Denn was peinlich ist, bestimmt letztendlich ja jeder selbst!
24. Januar 2011 um 17:31 Uhr
Etwas verspätet bin ich über diesen Beitrag gestolpert. Vielen Dank für die klaren Worte! Ja, es geht darum, zu sich selber zu stehen. Wer unter Personal Branding versteht, sich stets nach Anderen auszurichten und den Lebenslauf zu optimieren, wird nie zur Marke werden. Wie soll ich so eine Alleinstellung entwickeln? Die brauche ich als Marke, auch als Personal Brand. Der erste Schritt in diese Richtung ist es, zu sich und seinen Zielen und Werten zu stehen.
25. Januar 2011 um 14:50 Uhr
Hallo Herr Weinberg,
da sage ich schlicht Danke!