
Daimler, Deutsche Bahn & Bayer – Drei Führungskräfte der traditionsreichsten deutschen Großkonzerne berichten über ihren Umgang mit Social Media – sowohl im Unternehmen als auch ganz privat. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Verzahnung von Beruf & Privatleben. Heute geht es mit Robindro Ullah weiter. Er verantwortet als Leiter ZusatzServices bei der DB Services, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG, eine Abteilung, die sich mit Beschäftigungssicherung befasst. Ullah twittert unter http://twitter.com/robindro.
Die Thematik der Vermischung von „privat“ und „beruflich“ begleitet mich schon deutlich länger als mein mittlerweile drei Jahre altes Social Media Leben. Gleich nach dem Einstieg bei der Deutschen Bahn wurde ich, wie jede akademische Nachwuchskraft des Konzerns, Mitglied im TraineeClub. Der geschäftsfeldübergreifende Club bringt jungen Nachwuchskräften in Foren, Kamingesprächen und Exkursionen, aber eben auch auf Stammtischen und Freizeitaktivitäten den Konzern näher.
Distanz oder Nähe?
Schnell kamen Fragen auf wie: “Gebe ich meine private Handynummer raus oder doch meine dienstliche? Wahre ich Distanz oder erzähle ich auch private Dinge?” Denn auch in einem so großen Konzern trifft man sich im beruflichen Kontext doch schneller wieder als man denkt.
Für mich stand daher schnell fest: Eine strikte Trennung zwischen beruflichen und privaten Themen ist gar nicht möglich. Im Gegenteil: Vermischung führt zu engeren sozialen Kontakten, stärkt das Netzwerk unter den Mitarbeitern – und deren Bindung zu Konzern. Wie viel Privatleben man aber in den Beruf einfließen läßt, muss jeder individuell für sich entscheiden. Ein Konzern kann private Kontakte am Arbeitsplatz weder verbieten noch erzwingen. Nur Vetternwirtschaft wird natürlich nicht toleriert.
Die Grenzen zwischen privat & beruflich verschwimmen
Durch Social Media bekamen diese Fragen ein noch größeres Gewicht. Denn Twitter, Facebook und co. potenzieren die bereits vorhandenen Netzwerkeffekte. Und man kann sich vor der Frage “privat“ oder beruflich?” kaum noch drücken, weil Ort und Zeit keine Rolle mehr spielen:
Ich z.B. kommuniziere auch am Wochenende über berufliche Themen oder umgekehrt auch im Büro berufliches auf privaten Kanälen. Für Konzerne ist dies Chance und Herausforderung zugleich:
Vertrauen statt Kontrolle
Denn jeder einzelne Mitarbeiter wird zum Aushängeschild des Unternehmens und gestaltet noch viel stärker als zu analogen Zeiten die Visitenkarte seines Arbeitgebers mit. Denn auch wenn sich die Inhalte und die Anzahl der Botschafter eines Unternehmens nicht verändert haben: Jeder einzelne Mitarbeiter ist durch Social Media sichtbarer und hat eine größere Reichweite.
Wir als Unternehmen müssen unseren Mitarbeitern vertrauen, dass sie richtig handeln, sie ermutigen und hinsichtlich der technischen Möglichkeiten beraten. Sites zu sperren und die Verwendung von Social Media zu verbieten, wäre der falsche Weg.