Berufebilder by Simone Janson

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Simone Janson

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Besser scheitern:
Insolvenz kann auch eine Chance sein

13.354 Unternehmensinsolvenzen gab es in Deutschland bis Mai 2009, Tendenz steigend. Doch auch wenn die Angst vor der Insolvenz groß ist: “Scheitern ist auch eine Chance – wenn man aus den Fehlern lernt” – das sagt einer, der alle Stufen einer Insolvenz durchlaufen hat und heute trotzdem wieder erfolgreich ist.
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Warum die Wirtschaftskrise gut für Insolvenzverwalter ist

Makaber, aber wahr: Die Krise ist nicht für jeden schlecht. Für manche Branchen ist die Wirtschaftskrise sogar ausgesprochen gut. Zum Beispiel für Insolvenzverwalter. Sie erwarten massive Zunahme der Unternehmensinsolvenzen mit neuen Rekordwerten spätestens 2010 und werden dann kräftig zu tun haben. Aber es wäre falsch, Insolvenzverwalter als reine Krisengewinnler zu bezeichnen: Die Experten fordern auch weitreichende Reformen, um mehr Unternehmen retten zu können.

2010 neuer Insolvenzrekord

Die Insolvenzverwalter in Deutschland rechnen spätestens in 2010 mit einem neuen Insolvenzrekord. Hauptgrund sind die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Unternehmen in Deutschland. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG zusammen mit dem Zentrum für Insolvenz und Sanierung an der Universität Mannheim (ZIS) über die Ursachen von Insolvenzen in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise.

Wegbrechende Aufträge und Kreditvergabe sind Schuld

Dabei sind es vor allem die wegbrechenden Aufträge, die den Unternehmen zu schaffen machen sowie Dominoeffekte durch Insolvenzen von Auftraggebern oder Lieferanten. Auch sind Unternehmen, die über Private-Equity Eigner verfügen, besonders gefährdet. Eine wichtige Rolle spielt außerdem die restriktive Kreditvergabe der Banken.

In der jetzt vorgelegten Studie wurden im März und April 2009 namhafte Insolvenzverwalter Deutschlands befragt, die aktuell insgesamt rund 21.000 Fälle von Unternehmensinsolvenzen bearbeiten.

So sehen die Gründe im Einzelnen aus

Die Insolvenzverwalter schätzen, dass 34 Prozent der Insolvenzanträge durch die weltweite Rezession ausgelöst wurden. Das Besondere an der jetzigen Krise und Grund für die erwartete massive Zunahme sind nach Meinung von 94 Prozent der Insolvenzverwalter die Auftragseinbrüche. So berichten die Insolvenzverwalter aus Ihrer Praxis, dass davon betroffene kleinere Mittelständler einen durchschnittlichen Rückgang von über 50 Prozent zu verzeichnen hatten.

An nächster Stelle kommen mit 73 Prozent der Nennungen die Stornierung oder Verschiebung von Aufträgen sowie mit 68 Prozent Folgeinsolvenzen. Es folgen die Krisenanfälligkeit von Private-Equity finanzierten Unternehmen (64 Prozent) und die restriktive Kreditvergabe der Banken mit 62 Prozent.

Höchstmarke von 2003 wird überschritten

Fast zwei Drittel der Befragten glaubt, die bisherige Höchstmarke von rund 39.000 Firmenpleiten aus dem Jahr 2003 werde überschritten. Den Höhepunkt der kommenden Insolvenzwelle erwartet die Hälfte noch 2009, die andere Hälfte im nächsten Jahr.

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Hilfe, mein Gläubiger ist weg

Gläubiger, die sich ihren Forderungen entziehen, sind einer der Hauptgründe für Firmen-Insolvenzen. Falsche Adressen von Kunden und Schuldnern bedeuten für Unternehmen ein erhöhtes Risiko von Forderungsausfall, denn Rechnungen und Mahnungen können nicht zugestellt, Forderungen nicht durchgesetzt werden. Doch gerade Schuldner melden ihren Umzug nicht dem Einwohnermeldeamt, wodurch es für Unternehmen schwieriger wird, die neue Adresse herauszufinden.

Trend wird noch zunehmen

Und für 2009 wird dieser Trend wegen der Wirtschaftskrise noch zunehmen. Bei den Privatinsolvenzen zeigen sich nach einer Analyse der Wirtschaftsauskunftei Bürgel für das Jahr 2008 große regionale sowie alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede in Deutschland. Trotz des zeitweisen Rückgangs der Überschuldung von Verbrauchern erwartet Bürgel für 2009 eine deutliche Zunahme privater Pleiten.

Insgesamt meldeten im vergangenen Jahr 120.289 Bundesbürger Verbraucherinsolvenz an, das sind 146 je 100.000 Einwohner. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um 12,2 Prozent. Allerdings fällt die Zahl der Privatinsolvenzen je nach Bundesland sehr unterschiedlich aus: Spitzenreiter ist Bremen mit 236 Pleiten auf 100.000 Einwohner. Am seltensten nahmen die Saarländer das Insolvenzgericht in Anspruch (93 je 100.000 Einwohner), gefolgt von Baden-Württemberg mit 109 und Bayern mit 111 Verbraucherinsolvenzen je 100.000 Einwohner. Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Studie „Schuldenbarometer 2008“ der Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG Hamburg.

Wer ist betroffen?

Am stärksten sind die Altersgruppen der 36- bis 45-Jährigen (33,05 Prozent/39.751) sowie der 46- bis 60-Jährigen (32,16 Prozent/38.688) von Pleiten betroffen. Mit steigendem Alter sinkt das Risiko wieder. So waren 2008 nur 8,8 Prozent aller insolventen Bundesbürger älter als 60 Jahre. Knapp 60 Prozent aller Bundesbürger, die Verbraucherinsolvenz anmelden, sind männlich.
2009 muss nach Einschätzung von Bürgel in Deutschland mit einer Zunahme der Verbraucherinsolvenzen auf mehr als 140.000 Fälle (plus 17 Prozent) gerechnet werden. Diese Prognose basiert unter anderem auf dem Anstieg der Arbeitslosenquote der letzten Monate (November 2008: 7,1 %, Dezember 2008: 7,4 %, 1. Januar 2009: 8,3 %. Quelle: Statistisches Bundesamt). Die Wirtschaftskrise wird mit Verzögerung auch auf die Privatinsolvenzen durchschlagen.

Wie vermeidet man Zahlungsausfälle

Da hilft Unternehmen nur, dass Sie bei Ihren Kunden genauer hinsehen, um solche Zahlungsausfälle zu vermeiden: Frühindikatoren für Verbraucherinsolvenzen sind vor allem die eidesstattliche Versicherung und die Haftanordnung. Auf Gesamtjahressicht waren auch diese 2008 rückläufig. So ging die Häufigkeit der eidesstattlichen Versicherung von 958.895 auf 826.475 zurück (minus 13,9 Prozent) und die Zahl der Haftanordnungen verringerte sich von 538.308 auf 504.674 (minus 6 Prozent). Für 2009 ist allerdings auch hier mit einer deutlichen Steigerung zu rechnen.

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Essay über Insolvenz und Gründungskultur:
Besser scheitern – Zeit für den Tabubruch

Scheitern – hierzulande gilt es immer noch als Stigma, als Ausdruck persönlichen Versagens. Der kann’s eben nicht, heißt es dann hinter vorgehaltener Hand. Schluss mit der Häme! Scheitern ist unternehmerische Normalität. Weiterlesen →

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Zahl der Insolvenzen sinkt

Zwar hat das statistische Bundesamt für 2007 rund 29.000 Unternehmensinsolvenzen gezählt. Aber nach dem Höchsstand im Jahr 2003 (damals waren es 39.320 Insolvenzen) ist die Zahl der Pleiten im zum vierten Mal in Folge niedriger gewesen als im Vorjahr. 2007 fiel der Rückgang mit einem Minus von gut 15 Prozent am stärksten aus. Die Forderungen der Gläubiger für alle Insolvenzfälle, also auch Privatinsolvenzen miteingerechnet, betriugen rund 32 Milliarden Euro und damit vier Milliarden weniger als 2006. Bei dieser Summe haben jedoch Unternehmensinsolvenzen den höchsten Anteil, nämlich 18,3 Milliarden Euro – das sind rund 57 Prozent der Forderungen. Und das obwohl nur etwa 18 Prozent aller Insolvenzen Unternehmensinsolvenzen sind.

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Reform des Insolvenzrechts

Der Bundestag hat am 1Februar 2008 in erster Lesung den Gesetzentwurf zur Reform des Insolvenzrechts berraten. Der Entwurf sieht eine Vereinfachtung des Insolvenzverfahrens für Verbraucher, einer Regelung zur Insolvenzfestigung von Lizensverträgen sowie eine Stärkung der Gläubigerposition im Insolvenzverfahren vor. Das Gesetz bedarf nicht der Zustimmung des Bundesrates, es könnte daher bereits Endes des Jahres in Kraft treten.

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Arbeits- & Sozialrecht

GBR-Haftung durch Insolvenzrecht ausgehebelt?

Naja, ganz so krass ist es nicht: Als GBR-Gesellschafter haften Sie grundsätzlich mit Ihrem Privatvermögen für Verbindlichkeiten, d.h. Sie kommen für die Schulden, die Sie und/oder Ihr(e) Mit-Gesellschafter gemacht haben, selbst auf. Grundsätzlich, wie gesagt! Doch es kann Sinn machen als GBR-Gesellschafter bei Überschuldung sowie drohender oder eingetretener Zahlungsunfähigkeit selbst ein Insolvenzverfahren zu beantragen. Denn das Bundesarbeitsgericht entschied:

Ist über das Vermögen einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) das Insolvenzverfahren eröffnet worden, kann während der Dauer des Verfahrens nur der Insolvenzverwalter die persönliche Haftung eines Gesellschafters für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft geltend machen (§ 93 InsO). Der Insolvenzverwalter übt insoweit eine treuhänderische Funktion aus und ist gesetzlicher Prozessstandschafter. Schließt er mit einem Gesellschafter einen Vergleich, so bindet der Vergleich die Gesellschaftsgläubiger grundsätzlich auch dann, wenn damit die persönliche Haftung des Gesellschafters teilweise erlassen wurde.

Im Klartext: Selbst wenn Sie als GBR-Gesellschafter die Haftung übernehmen müssten – das Insolvenzrecht hat Vorrang! Wenn der Insolvenzverwalter Ihnen die Schulden erlässt, wären Sie nach diesem Urteil aus dem Schneider. Das darf aber natürlich kein Freibrief zum Schulden machen sein – schließlicht ist das nur ein Gerichtsurteil und kein Gesetz.

Quelle: Pressemeldung des Bundesarbeitsgerichtes Nr. 86/07