Berufebilder by Simone Janson

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Existenzgründung » Servicewüste » Steuererleichterungen bei Hotelübernachtungen:
Unverschämt:
Hotels geben Ersparnisse kaum an Kunden weiter!

Die Bundesregierung hat zum Jahresbeginn den Umsatzssteuersatz für Hotelübernachtungen auf 7% Geschenkt. Wer nun aber denkt, von dieser Steuererleichterung würden auch Übernachtungsgäste profitieren, der irrt.

Die deutschen Hotels geben die zu Jahresbeginn eingeführte Steuerentlastung nicht an ihre Gäste weiter. Das ergab eine Umfrage von stern.de. Die Online-Ausgabe des Hamburger Magazins stern nahm Stichproben von 21 Hotels in ganz Deutschland. Ergebnis: Nur ein einziger Betrieb hat die Preise gesenkt.

Hoteliers müssen für Einnahmen aus Übernachtungen seit dem 1. Januar nur noch den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent zahlen. Die Branche spart dadurch in Deutschland nach Schätzung von Experten pro Jahr eine Milliarde Euro. Die von der schwarz-gelben Bundesregierung geschaffene Steuerentlastung hatte massive Kritik von Wirtschaftsexperten und der Opposition hervorgerufen.

Aber der Dicke Hund ist: Verbraucher profitieren bislang nicht von diesen Vergünstigungen. Vielmehr gaben die meisten Hotels auf Anfrage von stern.de an, das zusätzliche Geld in notwendige Renovierungsarbeiten oder in die Schulung von Mitarbeitern zu investieren.

Beispiele

Im Schlosshotel Bad Wilhelmshöhe in Kassel soll beispielsweise nach einem Besitzerwechsel alles erneuert werden, was “die Vorbesitzer haben schleifen lassen”.

Das Nobelhotel Atlantic in Hamburg will das Geld hauptsächlich in Mitarbeiterschulungen investieren. Die Steuererleichterung an die Kunden weiterzugeben, sei auch “nicht das primäre Anliegen des Gesetzgebers gewesen”, sagte eine Sprecherin stern.de. Aha.

Auch der Hessische Hof in Frankfurt gab an, die Mehrwertsteuersenkung nicht direkt an die Kunden weiterzugeben. Stattdessen soll ein Wellnessbereich geschaffen und Zimmer renoviert werden.

Nur wenige sind fair zu Kunden

Unter den 21 getesten Hotels hat lediglich das Meran in Saarbrücken die Preise pro Einzelzimmer um fünf Euro gesenkt. “Die Kunden sehen ja, dass die Hoteliers eine Erleichterung bekommen haben”, sagte Simon Ruffing, Geschäftsführer des Hotels. “Wir finden es nur fair, das dann auch weiterzugeben.”

Das Germania Hotel in Reutlingen kündigte an, den Steuernachlass zu 50 Prozent an die Kunden durchzureichen. Der Rest soll in das Hotel investiert werden, teilte der Betrieb auf Anfrage mit. Bislang zahlen die Gäste hier aber noch die gleichen Preise wie 2009.

Bessere Leistung als Preissenkung?

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) verteidigte das Verhalten der Hoteliers: “In dem Moment, in dem ein Unternehmer investiert und die Zimmer renoviert und ein besseres Angebot schafft, ohne die Preise zu erhöhen, verbessert das das Preis-Leistungsverhältnis und das ist quasi eine Preissenkung für den Kunden”, sagte eine Sprecherin stern.de. Ob diese Milchmädchen-Rechnung nicht nach hinten losgeht?

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin (u.a.für ZEIT-ONLINE, Süddeutsche oder Financial Times) und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel.

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