Berufebilder by Simone Janson

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Bildung & Lernen » Weiterbildung » Serie – Selbstbestimmt lernt sich’s besser:
Papierkrieg als fester Bestandteil der Weiterbildungs-Show

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Im letzten Beitrag ging es darum, wie gute Dozenten-Bewertungen auf Rückmeldebögen zustande kommen. Denn die bedeuten für einen Dozenten gute Referenzen – und sind als solche fester Bestandteil der Weiterbildungsshow. Nicht selten werden sie sogar gefälscht.
Mit gutem Grund, wie Weiterbildungs-Insider Richard Gris weiß:

Bürokratischer Wasserkopf an Zertifizierungen

Längst hat sich in Deutschland ein komplexes und bürokratisches System aus Zertifizierungen, Akkreditierungen, Gütesiegeln und Evaluationsstatistiken herausgebildet.

Auch wenn es in der Theorie eine gute Idee sein mag, potenziellen Kunden auf dem unübersichtlichen Weiterbildungsmarkt, der sich vor allem in der Hand privater Anbieter befindet und daher vergleichsweise wenig staatlichen Reglementierungen unterliegt, eine Orientierung zu bieten:

Die Masse an Qualitätskriterien und Messzahlen ist einfach zu viel des Guten.

Jedem sein eigenes Gütesiegel

Da sind Verbünde, die ihre eigenen Gütesiegel aus der Taufe heben – nach dem Motto: Mal sehen, wie die Akzeptanz auf dem Markt ist. Da sind Volkshochschulen, die sich ihres verschnarchten Rufes als kommunale Kompetenzzentren mit einer ISO-Zertifizierung erwehren wollen, für die komplizierte Verwaltungsabläufe einzuhalten sind.

Da sind Arbeitsagenturen, die private Zertifizierungsagenturen zulassen, die wiederum die Weiterbildungseinrichtungen zertifizieren sollen. Und da sind Unternehmen, die abenteuerliche und aufwendige Zahlenspiele als objektive Evaluation oder Bildungscontrolling verkaufen. Es geht kaum bürokratischer.

Fantasie-Zertifikate als Abschlüsse

Ebenso unübersichtlich ist auch die Anzahl von Abschlüssen, die Weiterbildungsteilnehmer nach bestandener Prüfung erhalten können: Es gibt ungezählte wohlklingende Fantasiezertifikate, die von den Institutionen selbst geschaffen wurden.

Daneben stehen akademischen Mastern und MBAs, die zumindest ein Akkreditierungsverfahren durchlaufen haben müssen, sowie den weithin bekannten IHK-Abschlüssen, deren Anerkennung auf dem Arbeitsmarkt nur durch eines gewährleistet wird: Weil jedes Unternehmen gesetzlich zur Zwangsmitgliedschaft in einer IHK verpflichtet ist, kennt diese auch jeder. Und was man kennt, erkennt man auch eher an!

Was ist mein Abschluss eigentlich wert?

Staatlich anerkannt, wie Schul- oder Hochschulabschlüsse, sind Weiterbildungsabschlüsse nur selten. Teilnehmer können kaum ersehen, was ihr möglicherweise mühsam erworbenes Zeugnis hinterher auf dem Arbeitsmarkt wert sein wird. Auch hier gilt: Wer überzeugender wirbt, macht das bessere Geschäft.

Das richtet sich in der Regel nach dem Bekanntheitsgrad des Instituts oder Kurses – und weit seltener nach dem tatsächlichen inhaltlichen Wert der Weiterbildung.

Besser das Papier in der Hand als schwammige Fähigkeiten im Hirn!

Doch oft genug kommt es auch gar nicht darauf an, was man eigentlich wirklich kann und während der Weiterbildung gelernt hat: Vielen potentiellen Arbeitgebern ist das Stück Papier, das irgendetwas bescheinigt, lieber als die schwammige Vorstellung, was der Mensch können soll.

Oder anders gesagt: Ein Fetzen Papier gibt ihnen mehr Sicherheit bei der Einstellung als ihre eigene Menschenkenntnis. Nur: So gibt man nicht zwangsläufig den innovativsten Ideen und den Mitarbeitern raum, die tatsächlich bereit waren, zu lernen – sondern, denen die auf gut klingende Papiere gesetzt haben. Und Autodidakten haben damit bei der Jobsuche weniger Chancen.

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin (u.a.für ZEIT-ONLINE, Süddeutsche oder Financial Times) und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel.

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Website: http://www.simone-janson.de

2 Kommentare

  1. In Bewerbungsgesprächen hat sich bei mir bisher gezeigt, daß ich einen besseren Eindruck hinterlasse, wenn ich erkläre, warum mein zuletzt erworbener Abschluss an einer teuren Privat-Institution nicht qualifiziert ist. Was wiederum für mich ein Prüfkriterium für den potentiellen Arbeitgeber ist: Da ich die Schwächen der Ausbildung bestens kenne, möchte ich nicht einen Job antreten, für den diese Schwächen positiv konnotiert werden.

  2. Simone Janson

    Danke für die praxisnahe Bestätigung meiner These.
    Ich hab selbst mal im Weiterbildungsbereich gearbeitet und fand es schon krass, dass viele Bildungsanbieter da ihre eigenen Zertifikate auf den Markt werfen.
    Beruhigend zu hören, dass nicht jeder Arbeitgeber darauf abfährt!

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