Der Seminar-Raum ist spartanisch eingerichtet. Ablenkung soll also vermieden werden, vermute ich und bin dankbar, dass wenigstens nicht auch auf Kaffee und Tee verzichtet wurde.
Die Tische sind U-förmig gestellt und außer mir nehmen bis auf zwei Teilnehmer aus der Werbebranche nur Zivis teil. Sie bekommen zu dem Seminar einen Zuschuss und wollen das Angebot als Vorbereitung auf das Studium nutzen.
Der Ablauf
Der Seminarleiter, ein smarter junger Mann, erinnert an einen Verkäufer, – auf jeden Fall hat er einmal ein Rhetorikseminar besucht, denn er trägt klug und geschickt vor, so dass ich ihm gut folgen kann. Er hat den Kurs in Blöcken zu eineinhalb Stunden organisiert, die im wesentlichen gleich strukturiert sind. Zunächst gibt es ein wenig Theorie, dann folgt eine Übungsphase.
Wir beginnen mit einer Bestandsaufnahme. Ein kurzer Lese- und Verständnistest hilft zu ermitteln, wieviele Wörter pro Minute (WpM) jeder einzelne Teilnehmer in seinem gewohnten Lesetempo schafft. Anschließend folgen Kontrollfragen zum Text. Daraus ergibt sich dann das prozentuale Textverständnis, und aus beiden Werten zusammen ermittelt man dann die effektive Lesegeschwindigkeit (Effective Reading Rate, ERR). Dieser Test dient zum einen als Vorher/Nachher-Vergleich, zum anderen als Grundlage für die einzelnen Übungsschritte.
Effizienter lesen dank Stoppuhr?
Der Seminarleiter verspricht, dass wir unsere Zeiten alle verdoppeln werden. Ich bin skeptisch. Vor allem weil mir die nächste Übung etwas suspekt ist. Es geht darum, die Augenbewegung zu verbessern, in dem man mit den Augen über die Zeilen fährt ohne auch nur den Anspruch zu haben, etwas zu verstehen.
Ein sogenannter Rate Controller soll diesen Prozess unterstützen. Er besteht aus einer durchsichtigen Kunststoffscheibe, unter die ein Buch gelegt werden kann, und einem beweglichen Kunststoffschieber, der in einer voreingestellten Geschwindigkeit von oben nach unten läuft. Die Aufgabe ist, unterhalb des Schiebers zu lesen, so das die Augen gezwungen werden sich nur vorwärts zu orientieren und nicht zurück springen können.
Schneller, besser, mehr!
Immer wieder wird die Geschwindigkeit vom Kursleiter erhöht. Der neue Richtwert ergibt sich aus einem Lese- und Verständnistest, der am Ende jedes Blockes durchgeführt wird und damit wiederum Geschwindigkeit, Verständnis und effektive Leserate (ERR) ermittelt.
Anhand dieser Werte kann man auch während des Seminars den eigenen Fortschritt beobachten. Der stellt sich nur nicht sofort ein, sondern bildet nach anfänglichen Fortschritten ein Leistungstief. Alles ganz normal, heißt es im Theorieteil. Doch wie ist das mit dem Erfolg des Seminars insgesamt?
Disclaimer: Kristine Arndt durfte an dem Seminar “Effizienter Lesen” von Improved Reading kostenlos teilnehmen. Der Testbericht spiegelt dennoch Ihre eigene Meinung wieder!
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