Berufebilder by Simone Janson

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Bildung & Lernen » Hochschule & Studium » Serie – Kriterien für die Studienwahl:
Alles tun für die Karriere?

Jeder der ein Studium heute beginnt, tut dieses in der Erwartung seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, sofern nicht von vornherein klar ist, dass sich Student auf eine akademische Karriere einrichtet.
karriereleiter

Zu dieser Wahrnehmung des Studiums tragen die allgemeine Berichtslage in Zeitungen bei. Ebenso ist da das häufig in Schulen gemachte Argument eine akademische Bildung böte Chancen auf vielerlei Berufsmöglichkeiten. In der Tat lässt sich feststellen, dass Akademiker weniger lang arbeitslos sind. Auch liegen die Gehälter von Akademikern noch immer tendenziell über dem Durchschnitt.

Manche Fächer scheinen mehr wert

Gesellschaftlich wird erstmal ein Studium, egal wo es absolviert wird, neutral bis positiv bewertet. Neutral bis positiv, weil es eben Fächer gibt die in der Allgemeinen Perspektive als weniger „Wertschöpfend“ betrachtet werden – die berühmten Orchideenfächer- als MINT und Co. (Wirtschaft und Jura).

Studenten dieser MINT-Fächer und Co., wurden im Laufe des Studiums – so meine Erfahrung – regelrecht gehyped. Ihnen wurde das blaue vom Himmel versprochen und was sich nicht alles für Chancen böten. Frühere Absolventenkohorten, und nach dem aktuellen Verhalten zu beurteilen jüngere um so mehr, wurden zur „Elite“ per se deklariert. Allerdings, auch das war klar, wollte man als Gegenleistung „Leistung“ ohne wenn und aber.

“Du sollst es einmal besser haben”

Von zu Hause kam, und kommt da wahrscheinlich noch immer, dazu ein: Du sollst es einmal besser haben als wir („ …daher enttäusche uns nicht und werden reich und berühmt“). Mit den Kommilitonen gab den Konkurrenzkampf um die bessere Note, den besseren Job und das damit verbundene hippere Leben. Ein job muss „cool“ sein, und zum Prestige der eigenen Person beitragen.

Mit dieser Einstellung sind viele in das Arbeitsleben gestartet: Sich mit dem Kommilitonen messend im Vergleich der besseren Chancen Auswertung, der besseren Einkommenssituation …kurz es ging um die berühmte Werbung: Mein Haus, mein Pferd, meine Jacht.

Sich selbst beweisend was man alles kann, auch noch die absurdesten Anforderungen am Arbeitsmarkt erfüllen (Mitte 20, drei Jahre Auslandserfahrung, und am besten noch Doktor noch oben drauf) wurde in den Job gestartet.

Der Job wird zum Lebensinhalt

In der Tat werden auch die nicht angemeldeten Überstunden „freiwillig“ übernommen – man tut es ja für die eigene Karriere-, Aufgaben werden entlohnt mit besseren –will heissen tolleren – Jobtiteln oder noch mehr Inhalten, die realistischerweise manchmal doch besser von erfahrenen Kollegen übernommen hätten werden sollen bevor das Kind in den Brunnen fällt.

Das alles ohne das sich substanziell etwas ändert. Arbeitszeit wird in diesem Prozess des Berufstartes alles was zwischen Aufstehen und schlafen liegt – der Job will es so. Der Job als Lebensinhalt, der ja auch so wahrgenommen wird. Das Diensthandy (übrigens ein RIM), das Firmennotebook (ein Apple), und die Dienstreisen (Hilton und nicht einfach nur das schnöde B+B) werden zu Statussymbolen des eigenen Erfolges.

5 Stunden schlaf reichen

Da perfekte Arbeitsergebnisse, die die nächste Beförderung rechtfertigen auch, Arbeit bedeuten, muss eben bis tief in die Nacht an der Präsentation gefeilt werden. Fünf Stunden schlaf reichen. Wer mehr braucht, oder auch mal ein eigenes Leben neben den netten Kollegen aus der „Firma“ haben möchte ist eben ein „Looser“ und für das moderne Arbeitsleben nicht gemacht.

Aber auch die die vielleicht nicht immer mit den Job-Alphatieren mitheulen wollen -oder können- werden da schnell auf das mentale Abstellgleis von Vorgesetzten gestellt – „Minderleister“.
Um diesen Erfolg zu rechtfertigen müssen natürlich Opfer gebracht werden, was eben erst die entfernteren Freunde sind, dann die die Kommilitonen mit denen man sich gut verstand dass sie zu Freunden wurden, und schließlich die engsten Angehörigen – Freund/Freundin und Familie.

Dr. Oliver Krone
Autor: Dr. Oliver Krone

Dr. Oliver Krone ist seit rund 20 Jahren an der Schnittstellen zwischen Natur-/Ingenieur- und Sozial-/Humanwissenschaften tätig. Durch ein MBA (International Business Management, Hochschule Furtwangen) hat er sein persönliches Steckenpferd der Wissensintegration entwickelt und baut es seit dem operativ und theoretisch aus. Die Anwendungsorientierte-Theorie hat er sich durch eine Promotion an der Universität Lappland/Finnland über drei Jahre erarbeitet. Von dort hat er sich in das weite Feld des „empirischen Sprachrelativismus“ hineingewagt und interessiert sich dabei vor allem die Frage nach dem Einfluß von Sprache auf das Denken des Einzelnen in Projekten und sozialen Beziehungen. Oliver Krone hat bisher hauptsächlich in Englischsprachigen Fachzeitungen und Büchern publiziert, oder auf englischsprachigen Konferenzen vorgetragen. Zu seinen Veröffentlichungen gehört u.a. Norms and Knowledge Sharing – Problems of multidisplinary project cooperation (Anale Universit II Bucuresti 2008), Wissensintegration zur Vorbereitung einer interdisziplinären Kooperation (München 2008), The Interaction of Organisational Structure and Humans in Knowledge Integration (University of Lapland Press Rovaniemi 2007) und Knowledge Integration for Enterprise Resources Planning Application Design Knowledge and Process Management. (zusammen mit J.Stenvall und A. Syväjärvi, 2009, 1, 1-12).

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