Berufebilder by Simone Janson

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Bildung & Lernen » Hochschule & Studium » Experimentelle Feldforschung als Teil des Studiums:
Geschichte als Rollenspiel

In Deutschland läuft ein Geschichts- und Archäologie-Studium ja vergleichsweise trocken ab, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Und vor allem war experimentelle Feldforschung, also das Nachbauen historischer Situationen unter möglichst realen Bedingungen, war ja lange als zu populär verpönt (scheint jedoch langsam aufzubrechen). In Kanada hat man hingegen schon längt erkannt, dass das völlige eintauchen in eine andere Epoche spannend und gleichzeitig wichtig ist. Wissenschaft meets Mainstream – raus aus dem Elfenbeinturm!

Ukrainische Kultur in Kanada

Die Ukraine und Canada sind Länder, die geographisch kaum weiter von einander entfernt sein könnten – und doch gibt es quasi mitten in Kanada, in Edmonton Alberta befindet sich das leitende Zentrum für ukrainische Studien außerhalb der Ukraine, das Canadian Institute of Ukrainian Studies (CIUS). Es gehört zur Faculty of Arts an der University of Alberta. Seine Ziele beschreibt das Institut auf der Website:

Founded in 1976, following joint efforts by Ukrainian community leaders and academics, to provide an institutional home for Ukrainian scholarship in Canada, CIUS is dedicated to the development of Ukrainian studies in Canada and supports such studies internationally. In addition to its main office at the University of Alberta, CIUS maintains a branch office at the University of Toronto.

Wenn Geschichte lebendig wird

In der Nähe von Edmonton gibt es außerdem das Ukrainian Cultural Heritage Village, ein Open-Air Museum zur Geschichte Albertas, das die Geschichte ukrainischer Immigranten erzählt, die sich zwischen 1892 und 1930 hier ansiedelten.

Mehr als 30 Gebäude aus der Zeit bis 1930 (für kanadische Verhältnisse ist das alt) wurden wieder aufgebaut und vermitteln Besuchern eine guten Eindruck von der Vergangenheit. Aber nicht nur das: Das Museumsdorf lebt!

ukraine

Wissenschaft meets experimentelle Wirklichkeit

Laiendarsteller in historischen Kostümen und mit angelerntem ukrainischem Akzent erzählen von ihrem Leben als ukrainische Bäuerin oder Dorfschullehrer – und das ziemlich realistisch, wie das Video meines CNN-Kollegen Percy von Lipinski oben zeigt.

Und in genau diesen Rollen schlüpfen immer mal wieder auch die Studenten der University of Alberta, die dafür auch speziell geschult werden und so die Vergangenheit nicht nur in der Theorie sondern auch am eigenen Leib erfahren, wie mir David Markowsky, der PR-Chef des Ukrainian Cultural Heritage Village sagt.

Tolle Idee – die Verzahnung zwischen Wisscnschaft und Forschung zum Anfassen sollte es auch in Deutschland mal öfter geben!

Sponsor: Die Recherche zu diesem Beitrag wurde ermöglicht durch die Canadian Tourism Commission, die Reisekosten und Unterkunft bezahlt haben. Danke!
Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin (u.a.für ZEIT-ONLINE, Süddeutsche oder Financial Times) und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel.

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